Äthiopien: nächtliche Einladung zum Kaffee

Äthiopien, Rundreise, Stadtinspektor

Morgens sprach mich eine Gruppe Jungs an, sie sammelten Geld für eine Bibliothek in der Schule. Wir waren gewarnt, solche Sammelaktionen sind beliebte Betrugsmethoden. Aber tun mir ein paar Euro weh, auch wenn sie von den Kindern für andere Dinge ausgegeben werden? Immer wieder die selbe Überlegung, Schule oder Betteln? Aber hungrig lernen geht auch nicht. 100 Birr (3 Euro) sind viel für eine Familie viel Geld. 700 kostet die Monatsmiete für eine Hütte. Sie bekamen ihr Geld, ich trug mich in die Spendenliste ein und wurde zum Kaffee eingeladen, abends zuhause, und ich war seit dem nicht mehr alleine. Überall in Lalibela tauchten die Jungs auf. Sie waren schneller als der Bus und flinker als alle anderen Kletterer zwischen den Felsenkirchen.

Zwischendurch kamen natürlich noch mehr Kinder auf uns zu. “Gehst Du zur Schule? Du hast gar keine Uniform an.” Kaum gesagt, tat es mir leid, blöde arrogante Haltung und das Kind war verschwunden. Kurz vor Abfahrt tauchte der Junge wieder auf, stolz in Schuluniform. Ich war baff und gab ihm 40 Birr, nicht viel, 1,20 Euro, im Moment mein letztes Äthiopisches Geld. Er drehte die Scheine einzeln um, schaute sie ungläubig an. Ich habe noch nie ein so glückliches Kind gesehen.

Am Abend erfuhr ich, dass noch jemand für die Bibliothek gespendet hatte und zum Kaffee eingeladen war. Im Dorf gegenüber dem Hotel hatten Frauen am Vormittag vor den Hütten gesessen und Kaffee gereinigt, Brote gebacken, Essen gekocht. Am kommenden Tag gab es ein Fest. Wir hatten beide neugierig zugesehen und die Jungs hatten uns entdeckt. Nach unserem Abendessen machten wir uns auf den Weg. Die Kinder nahmen uns freudig an die Hand und führten uns in ihr Haus. Ein Zimmer, 3×3 m, dünne Eukalyptusstäbe mit aus Dung und Asche vermischtem Lehm verkleidet. Ein Bett auf dem wir sitzen durften, eine Kochstelle, sechs neugierige Augenpaare. Die Tante kam und fing an Kaffe zuzubereiten, traditionell, auf offenen Feuer geröstet, gemahlen, aufgebrüht. Wir rutschten etwas unruhig umher, kamen uns wie Eindringlinge in diese Welt vor. Die Tante betreut die Kinder ihrer Schwester. Sie lebt auf dem Land und kann den Kindern keine Perspektive bieten. Der Lehrer des kleinen Dorfes hat sich der jüngsten Geschwister angenommen, die älteren sechs leben hier, in einem Raum mit der Tante. Die Miete ist schwer aufzubringen, das Schulgeld noch weniger. Sie müssen in wenigen Tagen raus, das Geld ist alle.

Der Kaffee ist lecker, die Tränen nahe, die Sprache weg. Was macht man da, in dieser Situation? Die Kinder nahmen es gelassener, sie leben in diesen Umständen. Wir bekamen eine Monatsmiete zusammen. Vielleicht hilft es, einen weiteren Monat, bis zum nächsten Europäer. Es gibt keine andere Chance.

Bei unserer Abfahrt standen sie fröhlich winkend am Straßenrand, das Fest sollte bald beginnen.

Kaffee wird gereinigt und für das Fest am kommenden Tag vorbereitet

Vater und drei Töchter vor dem Hauseingang

Nächtliche Kaffeezeremonie im Einzimmerhaus der 7 köpfigen Familie

Die Kleine lebt beim Lehrer des Dorfes, die anderen (5 Jungs, 1 Mädchen zw. 10 und 18) bei der Tante.

Die Tante (58) kocht den besten Kaffee.

Menschen in einem Hüttendorf auf dem Land.

Mit Touristen ein wenig Geld verdienen

14 jähriges Mädchen, schwanger

Schlafplatz der Familie auf dem Hochbett über den Tieren

Feuerstelle im selben Raum

Geröstetes Getreide wird auf der Straße verkauft

Fischer begutachten ihre Netze nach dem Fang

Mit Pflug und Ochsen auf dem Heimweg

Hirten bewachen ihre Rinderherde. Waffen sind unkontrolliert aber geduldet im Land vorhanden.

Reges Treffen an der einzigen Wasserstelle im Ort

Kein Scotch, Selbstgebrannter und Butter werden hier verkauft.


Seo wordpress plugin by www.seowizard.org.
%d Bloggern gefällt das: